Deutscher Gewerkschaftsbund

11.04.2013

Betriebliche Weiterbildung: Akademiker bevorzugt

Die Weiterbildungsquote Erwerbstätiger steigt. Doch den größten Anteil stellen die ohnehin bereits gut Ausgebildeten.

Weiterbildung ist ein Schlüsselthema, wenn es um den prognostizierten Fachkräftemangel oder auch um die Innovationskraft der Unternehmen geht. In Deutschland hat die Weiterbildungsquote in den vergangenen Jahren zugenommen. Doch nach wie vor gibt es Nachholbedarf – gerade auch bei der betrieblichen Weiterbildung.

Weiterbildung

Gute Vorbildung, hohe Position und gutes Einkommen sind die besten Voraussetzungen, um lebenslang zu lernen. einblick

Wer mit guter Vorbildung in einem größeren Unternehmen die Karriereleiter schon ein Stück nach oben gekommen ist, der erhält auch bei der Weiterbildung die größte Unterstützung von Arbeitgeberseite. Der Trendbericht des Bundesbildungsministeriums auf der Grundlage des europäischen „Adult Education Survey“ (AES) erhebt seit 2007 die Weiterbildungszahlen. Er zeigt für das vergangene Jahr, dass Weiterbildung insgesamt, aber auch gerade die betriebliche Weiterbildung von den Unternehmen ernst genommen wird. Während 2010 der Anteil der betrieblichen Weiterbildung bei 59 Prozent lag, stieg er bis zum Jahr 2012 um fünf Prozentpunkte auf 64 Prozent.

Unternehmen großzügiger
Auch bei der Kostenübernahme zeigen sich die Unternehmen großzügiger. Vor drei Jahren lag der Anteil bei 21 Prozent, in 2012 stieg er auf 25 Prozent – einschließlich nicht-betrieblicher Weiterbildung. Für die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock ist dies ein positives Signal: Es zeige, dass „immer mehr Betriebe Weiterbildung als Investition für das Unternehmen und seine Beschäftigten sehen“.

Erwerbslose außen vor
Die positive Entwicklung hat allerdings auch ihre Schattenseiten. „Von einer Chancengleichheit kann nicht gesprochen werden“, betont Ingrid Sehrbrock. Beim Blick auf den Erwerbsstatus zeige sich, dass sich zwar die Teilnahmequote der Erwerbstätigen um sieben Prozentpunkte erhöht habe, bei den Erwerbslosen lag das Plus aber gerade mal bei einem Prozent.

Kaum Schulabbrecher zur Weiterbildung
Auch im Segment betriebliche Weiterbildung ist das Gefälle groß. Über 50 Prozent der Bildungsangebote nahmen Beschäftigte mit einem Fachschulabschluss oder einer akademischen Ausbildung wahr, 33 Prozent hatten eine abgeschlossene Berufsausbildung. Aber nur 18 Prozent der MitarbeiterInnen ohne Schulabschluss erhielten die Chance zur betrieblichen Weiterbildung. Der Trend wird beim Blick auf die berufliche Stellung bestätigt. Führungskräfte stellen mit 70 Prozent den höchsten Anteil, gefolgt von den Fachkräften mit 54 Prozent. Un- und Angelernte liegen hingegen nur bei 30 Prozent.

Weiterbildung

Nicht nur die Arbeitszeit bestimmt den Anteil an Weiterbildung. Auch wer befristet beschäftigt ist, hat weniger Chancen dazu, sich fortzubilden. einblick

Je höher, je besser
Weitere Merkmale sind das Einkommen und die Betriebsgröße. 71 Prozent der gut Geschulten verdienen mindestens 3000 Euro. Bei einem Lohn von 400 Euro sinkt die Zahl auf 25 Prozent. Zudem schicken größere Unternehmen ihre Beschäftigten häufiger zur Weiterbildung als kleinere Unternehmen. Entscheidend für eine solche betriebliche Förderung ist auch der Arbeitsvertrag. 51 Prozent sind unbefristet beschäftigt, 46 Prozent befristet. Wer Vollzeit arbeitet hat ebenfalls ein besser gefülltes Weiterbildungskonto (48 Prozent). Bei Teilzeit sinkt die Quote auf 36 Prozent.

Weiterbildung sinkt im Alter
Weniger signifikant sind die Altersunterschiede. Hier unterscheidet die AES allerdings nicht zwischen beruflicher und allgemeiner Weiterbildung. Zwar sinkt die Beteiligung an Weiterbildung mit zunehmendem Alter, doch bei den 60- bis 64-jährigen Erwerbstätigen gibt es eine erhebliche Steigerung gegenüber den Vorjahren. 2007 lag der Anteil derjenigen, die sich weiterbilden, bei 18 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 32 Prozent. In der Studie heißt es dazu, dass nicht klar sei, ob der Anstieg „ein Effekt der politischen Bemühungen“ sei oder lediglich ein Kohorteneffekt.

"Weiterbildungskultur" wichtig
Eine aktuelle Analyse des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu dem Ergebnis, dass ein entscheidender Faktor für die Lernbereitschaft der Mitarbeiter­Innen die „Weiterbildungskultur“ eines Unternehmens ist. Entscheidend sei, dass Weiterbildung zur strategischen Personalplanung gehöre. Nach den IW-Zahlen ist dies aber nur in 33 Prozent der Unternehmen der Fall.

Erschienen in: einblick 7/2013 vom 15.4.2013
Online seit: 12.4.2013


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